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Milch gut oder schlecht? – Überdenke deinen Konsum

Willst du groß und stark werden sowie gesunde Knochen haben? Dann musst du viel Milch trinken. Mit diesem Glauben sind viele von uns aufgewachsen. Ich habe es beispielsweise meistens von meiner Großmutter zu hören bekommen. Doch ist Milch gut oder schlecht für uns?

Unser Bild von der Milch

Es liefert uns Energie, ist gesund, macht stark und festigt die Knochen. Solche Aussagen wurden uns von älteren Generationen oder über die Werbung vor gepredigt. Mittlerweile ist bekannt, dass Milch nicht nur positive Effekte auf uns Menschen und die Umwelt hat und das hat gute Gründe. 

Als der Mensch vor ca. 8000 Jahren sesshaft wurde und mit dem Ackerbau begann, fing er an Milch zu trinken. Jedoch war Milch damals eine Art Notnahrung für schlechte Zeiten, ein einziges Nahrungsmittel bot sehr viele wichtige Nährstoffe die der Mensch für eine optimale Körperfunktion benötigt. Man erkannte wie wertvoll Milch aufgrund seiner Eigenschaften ist und somit wurde diese immer beliebter. Deshalb kam Milch nach und nach als gängiges Nahrungsmittel auf den Speiseplan.

Der große Boom

Doch erst seit der industriellen Revolution machte Milch ihren großen Boom. Wie viele andere Produkte auch erkannte man hier das Potenzial für ein Geschäft. Milch ist gesund, Menschen brauchen und wollen gute Nahrung, also lässt es sich gut verkaufen und in Massen herstellen. Zu diesen Zeiten wurde die Milch mit großen Werbekampagnen hochgelobt und dem Menschen als Wundernahrung angepriesen. Sie macht groß, stark und festigt die Knochen, solche und viele andere positive Effekte wurden dazu genutzt um die Milch schmackhaft zu machen. Seit jeher ist das weiße Gold schon gar nicht mehr wegzudenken. Außer in ihrer „Rohform“ und Produkten wie Joghurt, Käse oder Butter, findet sie sich verarbeitet in vielen weiteren Nahrungsmitteln wie beispielsweise Schokolade, Gebäck und sogar Chips oder Wein.

Ca. 80% der deutschen Bevölkerung nimmt wöchentlich mehrmals Milchprodukte zu sich und dabei hinterfragen nur wenige warum und wieso. 

Denn der Mensch ist das einzige Lebewesen das Säuglingsnahrung von einer anderen Spezies zu sich nimmt und das auch noch im Erwachsenenalter.



1. Wieso ist Mich so gut für uns?

Keine Frage Milch ist ein sehr nährstoffreiches Nahrungsmittel, deswegen dient es auch den Säuglingen für den Wachstum. Neugeborene sind nicht fähig feste Nahrung zu sich zunehmen und hierbei bietet Milch in flüssiger Form alle notwendigen Elemente die für einen gesunden Wachstum erforderlich sind. 

Milch ist reich an Kalzium, Fettsäuren und Proteine, außerdem enthält es wichtige Mineralstoffe sowie Vitamine. Besonders hervorzuheben ist hierbei der hohe Gehalt an Kalzium, ein Nährstoff das wichtig für eine optimale Knochenfunktion ist. 

Aus diesen Gründen wird Milch von vielen als ein rundum gesundes und praktisches Lebensmittel angesehen.

2. Müssen wir deshalb Milch konsumieren?

Die Antwort lautet: Nein!

Wie schon erwähnt dient Milch in erster Linie den Säuglingen und nicht dem ausgewachsenen Menschen. Wir nuckeln ja auch nicht mehr an den Brüsten unserer Mutter im erwachsenen Alter. Und warum sollten wir überhaupt die Milch eines Tieres konsumieren und nicht die des Menschen? Jedes Lebewesen gibt nur dann Milch wenn es ein junges zur Welt bringt und die Milchproduktion stellt sich ein sobald das Neugeborene nicht mehr gestillt wird. Das hat auch seinen Grund und deshalb ist Milch nicht unbedingt ein Nahrungsmittel das dafür geeignet ist, diese nach der Stillphase weiterhin einzunehmen. 

Länder, in denen Milch nicht zu den Grundnahrungsmittel gehören machen deutlich: der Mensch kommt auch ohne Milch gesund aus! Die erforderlichen Nährstoffe bekommen wir auch aus anderen Lebensmittel und zwar zur Genüge. 

Es hat einfach geschichtliche und geschäftliche Hintergründe warum es sich so ergab, dass Menschen die Milch anderer Spezien zu sich nehmen. In Zeiten von Hunger war es ein ausgesprochen praktisches Nahrungsmittel. Man erkannte die Möglichkeit Milch in viele andere Produkte zu verarbeiten und es lies sich im Endeffekt gut vermarkten. 

3. Hat Milch auch negative Effekte auf den Menschen?

Der wohl bekannteste negative Effekt ist die Laktoseintoleranz und dies hängt eng mit den Säuglingen zusammen. Ungefähr drei viertel der gesamten Weltbevölkerung leidet an Laktoseintoleranz. Hierbei sind Länder in Asien oder Afrika am meisten betroffen, diese Länder konsumieren kaum bis keine Milchprodukte. Die Menschen haben somit das für die Laktose notwendige Enzym Laktase nicht weiterentwickelt. Jenes ist für die Verarbeitung von Laktose notwendig. Säuglinge sind mit diesem Enzym ausgerüstet und können deshalb unproblematisch die Milch verarbeiten und verdauen. Wird die Stillzeit jedoch beendet, verschwindet somit auch die Laktase und der Konsum von Milchprodukten führt dementsprechend zu Unverträglichkeiten. 

Bleibt der Milchkonsum jedoch nach der Stillzeit fortlaufend erhalten, so besteht bei jenen Menschen weiterhin das Enzym und die Milch bleibt verdaubar. 

Dementsprechend leiden in Europa lediglich nur 30% an Laktoseintoleranz, da Milchprodukte zu den Grundnahrungsmitteln gehören. In Deutschland sind es sogar nur 15%. 

4. Was sagt die Wissenschaft? 

Ob Milch nun gut oder schlecht für uns Menschen sei, ist aus Sicht der Wissenschaft nur schwer zu definieren. Zu viele Faktoren spielen hierbei eine Rolle und die Genauigkeit der Versuchsfälle kann nur ungenau nachvollzogen werden. Sämtliche Ergebnisse sind sehr ausgeglichen und es kann keine eindeutige Zuteilung auf gut oder schlecht gegeben werden.

So existieren beispielsweise Studien die besagen das Milch krebserregend sein könnte oder Akne verursacht. Offenbar gibt es eindeutige Hinweise dass der Konsum von Milch bei einer Menge ab 1,25 Liter am Tag zu Prostatakrebs führen kann. Dies sei auf die hohe Kalziumzufuhr zurückzuführen. Doch die hohe Menge Kalzium soll wiederum Darmkrebs vorbeugen. Weiterhin soll Milch positive Effekte für das Herz- und Kreislaufsystem haben und das Risiko an Diabetes zu erkranken vermindern. 

Vieler solcher Studien sind mit positiven und negativen Effekten sehr ausgeglichen oder ziemlich ungenau. Doch anscheinend sind die Untersuchungen auf Prostata und Darmkrebs gut belegt. Es handelt sich hierbei aber auch „nur“ um das Risiko und 1,25 Liter plus täglich, ist schon eine ganz schöne Menge.

Ein Argument warum Milch Krebserregend sein soll, ist aufgrund seiner Wachstumsfaktoren und wie schon erwähnt dient Milch genau deshalb den Säuglingen. Doch Kuhmilch enthält viel mehr dieser sogenannten Wachstumsfaktoren als die menschliche Muttermilch. Kein Wunder, ein Kalb soll ja auch schneller wachsen und viel größer werden! 

Diese Wachstumsfaktoren der Kuhmilch verleihen dem menschlichen Zellwachstum einen unschönen Effekt. Die Krebszellen beispielsweise können durch diese Faktoren regelrecht angefochten werden. 

Aus diesem Grund übrigens sind Milchproteine auch sehr beliebt bei Bodybuildern, da diese bei einer großen Menge einen anabolen Effekt liefern. 

Wissenschaft hin oder her, eines ist sie sich jedoch im klaren. Milch ist aufgrund seiner reichhaltigen und vielfältigen Inhaltsstoffen ein wertvolles Nahrungsmittel.

Was ist mit den Knochen?

Richtig, Milch soll doch ein Wundermittel für starke Knochen sein. Dieser Mythos hat sich schon lange widerlegt, der Zusammenhang von Milch und extra starken Knochen kann nicht nachgewiesen werden. Ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche sei sogar laut einigen Daten Milch zu verschreiben. 

Wie gesagt, es ist ein hin und her und im Endeffekt glaube ich das hier wie auch bei vielen anderen Dingen, die Dosis das Gift macht. Dass Kalzium ein wichtiger Bestandteil für die Knochen und Zähne ist, ist klar aber diesen bekommen wir auch aus vielen anderen Nahrungsmittel wie z.B. natürliches Mineralwasser, grünes Gemüse, Obst oder Nüsse.

Außerdem spielt es eine entscheidende Rolle welche Qualität die Milch hat. Industriell verarbeitete Produkte sind in Bezug auf die Gesundheit nicht wirklich zu empfehlen, denn diese werden mit zusätzlichen Hormonen und speziellen Verfahren verarbeitet. Rohmilch dagegen, wenn sie von einer gesunden Kuh stammt und somit nicht mit schädlichen Bakterien befallen ist, kann durchaus sehr positive Auswirkungen haben. Hierbei ist wiederum eine gesunde Dosis zu berücksichtigen, laut Daten ist eine Menge von ca. 200ml am Tag optimal.

Nochmals in Kürze:

Laut dem heutigen Stand wissen wir Menschen also dass Milch zwar positive Effekte für uns Menschen hat und ein praktisches Lebensmittel ist, jedoch auch einige nachteilige Wirkungen mit sich bringt. 

Milch allein liefert uns bereits die wichtigsten Nährstoffe, führt aber auch bei vielen Menschen zu Unverträglichkeit, Allergien und eventuell Krankheiten. Des Weiteren ist Kuhmilch naturgemäß für ein Kalb hervorgesehen und nicht für den Menschen und schon gar nicht im Erwachsenenalter. 

Ich persönlich habe grundsätzlich kein allzu großes Problem damit Milch zu konsumieren (auch obwohl ich komplett Milchfrei bin). Gerade in Zeiten von Hunger oder wie damals bei unseren Vorfahren, den Jägern, dient alles Essbare als Nahrung zum überleben. Und gerade in einem solchen Fall ist Milch im wahrsten Sinne des Wortes – Gold. 

Doch jene meiner folgenden Argumente dafür, den Konsum von Milchprodukten zu reduzieren oder gar darauf zu verzichten, beziehen sich lediglich nur auf unser Leben heute.

5. Gründe warum du auf den Konsum verzichten solltest:

Industrielle Verarbeitung und Massenproduktion

So ziemlich jede Milch die wir konsumieren wurde industriell verarbeitet, d.h. sie durchläuft verschiedene Prozesse. Unter anderem um die Milch zu reinigen, haltbar zu machen, den natürlichen Milchzucker (Laktose) zu entfernen, den Fettgehalt zu reduzieren oder zu verhindern damit sich Rahm auf der Oberfläche absetzt.

Diese Prozesse sind aufwendig und viele der angewandten Methoden mindern die originale Qualität oder können sogar der Gesundheit schaden. Da Milch oft aus der Massentierhaltung stammt und die Tiere somit Krankheitsanfälliger sind, herrscht auch ein viel höheres Risiko dass diese mit schädlichen Bakterien und Keimen befallen ist. Die Rohmilch einer Kuh, die einen natürlichen und freien Lebensraum hat und somit völlig gesund ist, kann in der Regel ohne bedenken konsumiert werden. 

Die Milch wird also durch verschiedene Wärmebehandlungen so verarbeitet, dass die Keime und Bakterien abgetötet werden. Doch dies hat auch negative Auswirkungen auf die wertvollen Nährstoffe der Milch. 

Durch industriell verarbeitete Milch erhalten wir also nicht die Qualität und Nährstoffe wie wir sie durch frische Rohmilch erhalten würden.

Es herrscht keine Notwendigkeit für den Konsum

Wie schon erwähnt war früher zu Hungerszeiten der Konsum von Milch eine wunderbare Quelle für wichtige Nährstoffe. Doch heute konsumieren wir Milchprodukte nicht mehr weil wir es brauchen sondern weil es einfach zur Gewohnheit geworden ist. Wir vergnügen uns mit all den Leckereien die wir mit Milch erzeugen und weiterhin bietet die Milchproduktion ein profitables Geschäft. 

Alle für den Menschen wichtigen Nährstoffe erhalten wir auch zur Genüge von anderen Lebensmitteln. Es besteht absolut keine Notwendigkeit Milch zu uns zu nehmen, vor allem nicht in diesem Maße. 

Aus Respekt den Tieren gegenüber – Massentierhaltung

Viele Unternehmen halten ihre „Nutztiere“ in Massen, dabei ist die Haltung meistens eine absolute Sauerei, die Tiere werden schlicht und einfach wie Maschinen oder Objekte behandelt. Ich denke wenn wir schon tierische Produkte konsumieren, dann sollten wir den Tieren auch mit einem gewissen Respekt gegenüber stehen und diese zu schätzen wissen. Nur weil wir Menschen dazu in der Lage sind über andere Lebewesen zu herrschen, bedeutet das nicht dass wir mit ihnen auch rücksichtslos umgehen können. 

Vielen Tieren bleibt die Möglichkeit verwehrt ihren natürlichen Lebensraum zu kosten. Sie verbringen stattdessen ihr gesamtes kurzes Leben in Hallen, Ställen & Fabriken. Durch die ungeheuerliche Menge Milch die produziert wird, bleibt den vielen Kühen dort nicht viel Platz. Sie sind dabei auf engstem Raum und haben kaum Bewegungsfreiheit.  

Kühe werden künstlich befruchtet um Milch zu geben und sobald das Kalb geboren wurde wird es der Mutter auch schon wieder entnommen. Daraufhin wird es erneut geschwängert um stetig weiter Milch zu produzieren. 

Um die Tiere bei nicht artgerechter Haltung Leistungsfähig zu erhalten, werden ihnen regelmäßig Antibiotika und andere Medikamente verabreicht, welches sich auch auf die Gesundheit des Menschen auswirken kann.

Da die Tiere sich instinktiv gegen die unangemessene Haltungsform wehren, werden diese gewaltsam daran angepasst. Rindern beispielsweise werden die Hörner ohne Betäubung abgetrennt.  

Schädlich für die Umwelt

Die Milchproduktion hat einen enormen Einfluss auf unsere Umwelt, so sind Fleisch und Milchprodukte die klimaschädlichsten Lebensmittel. Im Vergleich zu Pflanzenprodukten hat die Herstellung von tierischen Waren einen weitaus größeren CO2 Ausstoß.

So wird zum Beispiel durch die Milchproduktion in den Industriebetrieben, Transportwegen, Futterherstellung und Methanausstöße der Milchkühe, CO2 in die Erdatmosphäre ausgestoßen. 

Bei der wahnsinnig hohen Anzahl an Milchprodukten die wir herstellen, ist das schon eine beachtliche Menge. So hat beispielsweise 1kg Käse ungefähr den gleichen CO2 – Emissions Wert wie 40km Autofahrt.  

Du musst selbstverständlich nicht komplett auf tierische Produkte verzichten, denn eine Reduzierung hätte bereits schon große positive Auswirkungen.  


Quellen:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3401057/

https://science.sciencemag.org/content/360/6392/987/tab-pdf

https://www.mri.bund.de/fileadmin/MRI/News/Dateien.pdf

https://www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Landwirtschaft-Forstwirtschaft-Fischerei/Tiere-Tierische-Erzeugung/Tabellen/betriebe-rinder-bestand.html

https://www.ciwf.org.uk/media/5235182/Statistics-Dairy-cows.pdf

https://www.klimatarier.com/de/CO2_Rechner

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